Es scheint so wider die Natur: In der winterlichen Kälte krümeln wir mit Erde auf unserem Tisch herum, säen die ersten Samen zu einer Zeit, in der draussen alles noch ruht. Aber warum? Grüne Lichtblicke im noch farbenarmen Winterhalbjahr. Und die Vorfreude auf früh geernteten Kohlrabi- saftig, zart und voller Frühjahrskräften.
Schnell wachsen die gepflanzten Märzzwiebeln und bringen schon im Juni/Juli fertige Speisezwiebeln oder Schalotten frisch auf den Tisch …da lohnt sich doch die Zeit und Mühe der frühen Anzucht: Das Hinaus- und Hineintragen der Schalen und Platten und die Krümel auf der Fensterbank!
Das Material
Aussaatschalen gibt es von mini bis Extra-Large. Kleinere trocknen schneller aus, grössere haben mehr Puffer. Wer nur einmal am Tag nach seinen Aussaaten schauen kann, sollte lieber ein etwas grösseres Format wählen. Multitopf- oder Quickpot-Platten haben vorgeformte kleine Abteile und sind von 2x2 cm bis 4x4 cm für frühe Ansaaten sinnvoll.
Die Anzuchterde und Aussaat.
Aussaat-Qualitätserde vom Gärtner ist die einfachste Wahl. Sie ist düngerarm und auf die Bedürfnisse der Keimlinge ausgerichtet. Der kundige, fortgeschrittene Gärtner kann sich seine Aussaaterde selbst mischen. 1-2 Teile gereifter, krümeliger und gut strukturierter Kompost kann mit 2-3 Teilen Torfersatz (oder halb verrottetem Laubkompost) und 1 Teil gewaschenem Sand oder Perliten gemischt werden. Je 5 l kann 1 EL Hornmehl oder vergleichbarer veganer Dünger und 1 EL Algenkalk hinzugegeben werden.
Schalen und Platten werden satt mit Erde gefüllt, ohne dass diese fest angedrückt wird. Das Saatgut entsprechend der Art (siehe Tabelle) ausgesät, angedrückt und maximal so dick wie der jeweilige Same selbst ist mit Erde übersiebt. Vorsichtiges Angiessen sorgt dafür, dass die Samen dabei nicht ihren Platz wechseln oder die Erde verschlämmt. Jetzt heisst es abwarten und beobachten.
Pflege der Keimlinge
Die Saatschalen/Platten werden bis zur Keimung gut feucht gehalten. Im Untersetzer darf jedoch kein Wasser dauerhaft stehen bleiben. Sobald die Keimlinge erscheinen, giessen wir so, dass die Bodenoberfläche möglichst schnell abtrocknet, die Erde aber nicht austrocknet. Das beugt verschiedenen feuchteliebenden Krankheiten vor.
Pikieren
Vereinzelt, der Gärtner sagt „pikiert“, werden die Pflanzen aus Saatschalen ab dem Zweiblattstadium. Das sind die ersten zwei sogenannten Laub-Blätter nach den kleinen Keimblättern. Nötig ist das nur bei Arten, die wir nicht direkt aus den Saatgefässen pflanzen können und wollen, z. B. Paprika, Tomaten oder Auberginen. Kohlrabi oder überhaupt Kohlgewächse vertragen pikieren gut. Das Stören der Wurzeln regt sie zum Weiterwachsen an. Fenchel wächst stabiler, wenn er pikiert wird, es funktioniert aber auch ohne diesen Schritt. Zum Pikieren können wir schon nährstoffreichere, sogenannte Anzucht- oder Topferde nehmen.
Die in der Tabelle aufgeführten Keimtemperaturen gelten für die Zeit bis sich die ersten Laubblätter entwickeln. Danach dürfen sie auch kälter stehen. Kräftige, stabile Jungpflanzen entwickeln sich, wenn die Platten oder Schalen ab dem Laubblattstadium tagsüber an geschützten, hellen Plätzen im Freien (z. B. im Frühbeetkasten, Gewächshaus oder an der Hauswand) stehen und abends wieder in die Wärme des Hauses geholt werden. Für die sehr wärmeliebenden Arten wie Tomate, Aubergine und Paprika/Chili sollten die Temperaturen für eine zügige Weiterkultur jedoch besser immer über 15-18° liegen.
A=Anfang M= Mitte E=Ende
Anzucht von Blumen
Wer Lust auf Blumenanzuchten hat, der kann mit zweijährigen Arten wie der Königskerze, Stockrose, Sichuan-Rittersporn oder Muskatellersalbei sein Glück probieren. Diese Arten benötigen eine ausreichend grosse Blattrosette, sollen sie zur Blüte kommen. Schaffen wir es jetzt, sie schnell und warm anzuziehen, können sie bereits dieses Jahr blühen. Die Ansaat kann in Schalen oder Platten (1-2 Samen/Topf) erfolgen. Pikieren oder Umtopfen in 9er Töpfe bis zum Auspflanzen ab April verhilft zu starken Pflanzen.
Essbares Grün von Fensterbank
Für farbenfrohe und facettenreiche Aussaaten auf der Fensterbank eignen sich alle Microgreenssorten z. B. Randen, Rübli, Radiesli oder Zwiebeln. Dafür befüllen wir eine Aussaatschale mit 2-3 cm Erde. Die entsprechenden Samen werden mit ca. 1 cm Abstand zueinander aufgestreut. Fertig ist der schönste Fensterbank-Garten, der dann noch kulinarisch verwendet werden darf.
